Jeder hat einen. Manche sind traditionell, manche superschick. Manche hat man 400 Mal gehört, manche lassen sich nicht mal als solche identifizieren: Es geht um Namen.
Spätestens nachdem ein kleiner Schreihals ins Haus steht, startet die Odyssee: Die Suche nach dem passenden Vornamen. Der Sprössling soll nicht so heißen wie jeder Zweite auf dem Spielplatz, trotzdem soll der Name nicht zu exotisch sein. Er soll schön klingen, nicht zu lang sein und doch was „hermachen“.

Cartoon: Ahoi Polloi
Eigentlich ist das Namensrecht im deutschsprachigen Raum sehr großzügig. Vornamen dürfen nicht lächerlich sein oder beleidigend. Sachbezeichnungen wie „Klarinette“ sind tabu; bei Ortsnamen wird dagegen oftmals ein Auge zugedrückt: Maui (hawaiianische Insel) ist erlaubt – Sylt dagegen nicht. Außerdem sind biblische Namen mit negativer Prägung, etwa Kain oder Judas unzulässig. Auf den Namen Adolf muss verständlicherweise verzichtet werden. Sein Baby Jesus zu nennen, geht hingegen seit 1998 ok.
Viktoria Eva Anna Belinda Daniela Meier - Anzahl der Vornamen
Sowohl in Deutschland wie auch in Österreich wird meist nur ein Vorname vergeben. Etwa zwei Drittel aller Eltern geben ihrem Kind einen Vornamen, nur etwa ein Drittel der Kinder bekommt zwei oder mehr Vornamen. Erlaubt sind jedoch bis zu fünf Vornamen.
Manche Eltern reizen ihre Namensgebungs-Freiheiten voll aus. Daraus hervor gehen prädestinierte Hänselopfer wie Johan Riley Fyodor Taiwe Samuel (Heidi Klums Nachwuchs) oder Apple Blythe Alison Martin (Mutter Gwyneth Partrow).
Die meisten Eltern bleiben dagegen bescheiden und entscheiden sich für bodenständigere Namensvariationen.

Top Five 2008
Auch wenn es uns so vorkommt, als ob die Kindergärten von Maries, Leonies, Lucas und Pauls bevölkert sind, geht der Trend laut Experten zu Individualisierung. Trugen vor 15 bis 20 Jahren noch 10 bis 15 Prozent aller Neugeborenen denselben Namen, sind es heute höchstens noch zwei Prozent.
Die Globalisierung lässt sich hier allerdings auch spüren. In Offenburg (D) z.B. ist Mohammed der häufigste Jungenname.
Wer den „Aktienkurs“ seines Namens verfolgen will, kann dies auf der Seite von Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld tun.
Gegensätzliche Trends
Zum einen hinterließ die Amerikanisierung der deutschen Medien ihre Spuren: Die Wahl fällt heute gerne auf Chelsey, Lily, Whitney, Ashley oder Harley. „Vor allem Eltern aus bildungsfernen Schichten, die sich sehr am Fernsehen orientieren, wählen für ihre Kinder die Namen ihrer Idole aus Film, Musik oder Sport“, sagt Namensforscherin Gabriele Rodriguez.
Davon entsetzt sind die Emilisten. „Akademiker sind auf der Suche nach seltenen Namen und greifen daher wieder auf Traditionelles oder biblische Ursprünge zurück“, sagt Rodriguez. Ganz weit oben stünden bei den Jungen zurzeit Alexander, Leon, Friedrich, Erich, Bruno, Karl und Otto. Bei den Mädchen boomen tantentypische Vornamen: Elfriede, Erna, Luise.
Eine Studie hat festgestellt: Mädchennamen sollen ausgefallen sein. Jungen dagegen bekommen Namen, die leicht zu schreiben sind.
Karriere-Namen
Die britische Barclays Bank hat eine Alternative zu den bekannten Vornamenshitlisten veröffentlicht. Die Namensforscher der Bank kamen zu einem interessanten Schluss: Die häufigsten Vornamen der erfolgreichsten Kunden sind demnach David, John und Michael beziehungsweise Susan, Elizabeth und Sarah (was mich persönlich freut).
Mein Senf dazu:
Am Wichtigsten ist und bleibt der Charakter eines Menschen. Hauptsache, der Name lässt sich aussprechen und -schreiben, finde ich. Axel Schweiß möchte ich dennoch nicht heißen.